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Marktansichten

Die Woche an den Märkten: Unsicherheit ist Trump(f)

Im Überblick

Das Jahr ist noch jung, aber schon jetzt ist an Überraschungen kein Mangel. Die öffentlichkeitswirksame US-Intervention in Venezuela, die Ermittlungen gegen Notenbankchef Jerome Powell und Trumps Säbelrasseln wegen Grönland verunsichern Märkte und Investoren.

Die Stunde der Anwälte

Ein möglicher neuer Handelsstreit zwischen den USA und Europa könnte die Märkte in Atem halten. Investoren sollten das genau im Blick behalten, ebenso wie die zahlreichen Gerichtsverfahren in den USA.

Diese Woche dürfte der Supreme Court darüber urteilen, ob Trump im April ohne Zustimmung des Kongresses „reziproke“ Importzölle verhängen durfte, allein auf Basis des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA). Jetzt erwähnte Trump das Gesetz im Zusammenhang mit Grönland erneut.

Diese Woche wird der Oberste Gerichtshof auch über Trumps versuchte Entlassung von Notenbankvorständin Lisa Cook verhandeln. Die Entscheidung könnte grosse Auswirkungen auf die Unabhängigkeit der Notenbank haben – ebenso wie die Drohung des Justizministeriums, gegen ihren Chef Powell zu ermitteln.

Das Justizministerium wirft ihm vor, den Kongress bei seiner Anhörung im Juni zu den Kosten der Renovierung des Fed-Hauptsitzes in Washington belogen zu haben. Die Vorwürfe kommen zu einer Zeit, in der die Notenbank mit politischem Drucks zu einer schnelleren Lockerung ihrer Geldpolitik bewegt werden soll.

Bis jetzt erfreut sich der Notenbankchef grosser Unterstützung, auch von Republikanern. Senator Thom Tillis, Mitglied des für die Prüfung von Trumps Nominierungen für den Notenbankvorstand zuständigen Bankenausschusses, will alle Kandidaten ablehnen, „bis die Untersuchung vorbei ist“.

Powells Amtszeit als Vorsitzender endet im Mai. Er könnte allerdings einfaches Vorstandsmitglied bleiben. Hier läuft seine Amtszeit bis Januar 2028.


Nachfolgediskussionen

Die Unsicherheit über Powells Nachfolger ist nicht zu unterschätzen. Geldpolitische Entscheidungen werden aber vom gesamten Offenmarktausschuss getroffen.

Meist bemüht sich der Vorsitzende um einen Konsens, doch können die Mitglieder unterschiedlicher Meinung sein. Letzte Woche sprach ein regionaler Notenbankpräsident von Inflationsrisiken. Sie seien noch immer hoch; die Teuerung könne mit Macht zurückkehren, wenn die Unabhängigkeit der Fed weiter infrage gestellt wird.

Nach dem Protokoll der Dezembersitzung ist sich der Offenmarktausschuss äusserst uneins. Viele Mitglieder, die für eine Zinssenkung gestimmt haben, hätten sich nach eigener Aussage ebenso gut unveränderte Leitzinsen vorstellen können. Manche sagten offen, dass unveränderte Leitzinsen einstweilen durchaus angemessen seien.

Im Euroraum wurde am 19. Januar der neue EZB-Vizepräsident nominiert. Am 1. Juni tritt der nicht unbedingt als Favorit gehandelte Boris Vujčić die Nachfolge von Luis de Guindos an. Zurzeit ist Vujčić Präsident der Kroatischen Zentralbank.

Das ist der erste von vier anstehenden Wechseln im sechsköpfigen EZB-Direktorium. Die Amtszeit von Präsidentin Christine Lagarde endet im Oktober 2027.


Zollspiele

Ein polternder Trump, der „Grönland kaufen“ will, hat neue US-Importzölle angedroht – gegen Grossbritannien, Norwegen und die sechs EU-Länder, die die Anwendung der „EU-Verordnung zum Schutz vor wirtschaftlichem Zwang durch Drittländer“ ins Spiel gebracht haben. Dieses Instrument soll die Mitgliedstaaten vor wirtschaftlichem Druck durch Drittländer schützen und definiert mögliche Gegenmassnahmen.

Wirtschaftlicher Zwang bedeutet hier, dass ein Land die EU unter Druck setzt, indem es den Aussenhandel oder Investitionen behindert oder damit droht.

Wegen des Grönland-Streits wird das Europäische Parlament den von Trump und Kommissionschefin Ursula von der Leyen im Juli unterzeichneten Handelsvertrag erst einmal nicht ratifizieren.

Auch wenn sich die Zolldrohungen nur gegen sechs EU-Länder richten, hat Europa entschlossen reagiert und mit einer Stimme gesprochen. Der Effektivzoll auf europäische Exporte in die USA beträgt (wegen zahlreicher Ausnahmen) etwa 7%. Trump droht weitere 10 Prozentpunkte an (und damit insgesamt 25% ab Juni), wenn er nicht seinen Willen bekommt. Unklar bleibt aber, ob er weiter drängt oder zum Rückzug bläst.

Am Mittwoch wird er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sprechen, und für Donnerstag ist eine ausserordentliche EU-Ratssitzung zur internationalen Lage geplant.


Konjunkturdaten: Wenig Neues

Man hatte erwartet, dass die jetzt veröffentlichten US-Inflationszahlen für 2025 (2,7%, Kernrate 2,6%) durch den Government Shutdown verzerrt sein würden (Abbildung 1). Die Rohdaten wurden später als sonst erhoben, sodass wegen des ungewöhnlich kurzen Abstands zum Black Friday mit höheren Werten für Dezember gerechnet wurde. Die Daten bestätigten das aber nicht wirklich.

Abbildung 1: Überraschend gute US-Inflationsdaten: Verzerrung oder neuer Trend?
Stand 20. Januar 2026, Quellen: Federal Reserve, Bloomberg, BNP Paribas Asset Management

Im Januar legte die Fed ihr neues Beige Book vor, das Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Notenbankdistrikten zusammenfasst. Demnach sei „Kostendruck aufgrund der Zölle in allen Regionen ein Thema“ gewesen, da „unsere Kontaktpersonen … begannen, die Zölle an die Kunden weiterzugeben. Die vor Zolleinführung aufgefüllten Lager hatten sich geleert, und Unternehmen bemühten sich mehr als zuvor, ihre Margen zu halten“.

Dieses Ergebnis passt aber nicht zum jüngsten Verbraucherpreisindex, der keine hartnäckige Inflation anzeigt.

Im November waren die amerikanischen Einzelhandelsumsätze mit 0,6% z.Vm. überraschend gut. Offensichtlich ist der private Verbrauch trotz des schwachen Konsumklimas und des schwächeren Arbeitsmarktes stabil. Der stabile Konsum aus dem 3. Quartal (+3,5% p.a.) hielt im 4. Quartal an.

In China erreichte das BIP-Wachstum 2025 das offizielle 5%-Ziel. Die Dynamik liess zum Jahresende aber nach. Im 4. Quartal wuchs die Wirtschaft nur noch um 4,5%, nach 4,8% im 3. Quartal.

Die Einzelhandelsumsätze waren zum Jahresende ebenfalls schwach; sie fielen im Dezember um 0,1%, nachdem sie schon im November um 0,4% zurückgegangen waren. Im Vorjahresvergleich legten sie nur um 0,9% zu – der niedrigste Wert seit Dezember 2022. Die hohe Exportnachfrage half der Industrieproduktion, doch gingen die Investitionen im Dezember drastisch zurück.

Im Euroraum stieg die Industrieproduktion im November um 0,7% z.Vm. Das war mehr, als die etwas schwächeren Geschäftsklimaindizes zum Jahresende vermuten liessen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Euroraum: Die Lage ist besser als das Klima
Stand 20. Januar 2026. Quellen: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management

Im Dezember fiel Deutschlands Ifo-Geschäftsklimaindex auf den niedrigsten Wert seit Mai. Die Unternehmen wurden für die erste Jahreshälfte 2026 pessimistischer. Die ZEW-Konjunkturerwartungen, also die Einschätzungen von Finanzanalysten, waren besser. Offensichtlich hoffen sie auf einen Aufschwung durch Deutschlands expansive Fiskalpolitik. Im Januar stieg der Index auf 59,6 Punkte.

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