Die Metaversum-Akademie: Arbeit

  • 20 Oktober 2022 (5 Minuten Lesezeit)

  • Beim Metaversum-Thema „Arbeiten“ geht es um eine spannende Entwicklung am Weltmarkt.
  • Immer mehr Branchen können neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit nutzen sowie von effizienteren Prozessen und Wachstumspotenzialen profitieren.
  • Chancen für B2B und B2C

Wir haben bereits mehrfach über das Thema Metaversum (Metaverse) mit seinen immer ausgefeilteren und immersiven Angeboten in den Bereichen Unterhaltung und Kommunikation geschrieben. Jetzt wird es Zeit, dass wir uns den geschäftlichen Möglichkeiten zuwenden und untersuchen, wie die neue digitale Welt spannende Chancen für Industrie und Arbeitsumfeld der Zukunft bietet. Sie entstehen durch das einzigartige Wachstumspotenzial, weil physische Räume, Lieferketten und Logistik keine begrenzenden Faktoren sind.

Hyperspace-Office?

Durch das Metaversum sollen greifbare Investmentchancen entstehen, weil die reale und die virtuelle Welt zusammenwachsen. Das gilt auch für das Thema Arbeiten. Wie Onlinespiele und die neue Art sozialer Kontakte hat auch die Onlinearbeit in den letzten Jahren an Akzeptanz gewonnen.  Die Verbreitung von hybridem Arbeiten über Citrix oder virtuelle private Netzwerke (VPNs) nahm bereits vor 2020 zu, weil schnelle Breitbandnetzverbindungen und Wi-Fi erschwinglich wurden, das Umweltbewusstsein stieg und man reisebedingte CO2-Emissionen senken wollte. Hinzu kam die Abkehr von traditionellen festen Büroarbeitsplätzen hin zum Hot Desking.1 Während der Pandemie und der längeren Lockdowns waren Mitarbeiter gezwungen, häufiger von zu Hause zu arbeiten, und Unternehmen mussten entsprechend investieren.  Telekommunikationsunternehmen wie Zoom Video Communications profitierten von einem enormen Anstieg der Nutzerzahlen. Auch nach der Pandemie investieren Unternehmen weiter in Metaversum-Projekte – nicht nur, um Alternativen zu persönlichen Treffen und physischen Schreibtischen zu nutzen, sondern, weil sie sich damit weiterentwickeln können.  Die neue App Welo von Zoom soll ein „Mini-Metaversum“ explizit für Meetings in einer virtuellen Realität bieten.2

Mit dem Metaversum geht es besser

Natürlich ist Homeoffice nicht in allen Branchen ohne Weiteres möglich. In einigen braucht man mehr Fantasie, um die Vorteile des Metaversums zu nutzen. Enorme Chancen bieten sich deshalb bei Firmen, die sich mit Industrietechnik, Fertigung und Design für Unternehmenskunden befassen, um mit dem Metaversum ihre Effizienz zu steigern und die Zukunft der virtuellen Zusammenarbeit mitzugestalten. Auch bei Dienstleistungen und Vorteilen für Endkunden, beispielsweise in der Gesundheitsversorgung, entstehen Investmentchancen. Darauf gehen wir weiter unten noch näher ein. In beiden Fällen werden die Grösse des Metaversums und die Tatsache genutzt, dass man damit ohne physische Einschränkungen Kunden auf der ganzen Welt erreichen kann.

Autodesk ist ein wichtiger Entwickler und Anbieter computergestützter Konstruktionssoftware (CAD) für Architekten, Fertigungsunternehmen, Ingenieure und die Baubranche. Das Unternehmen investiert, um im Metaversum „digitale Zwillinge“ entstehen zu lassen, also digitale Kopien komplexer physischer Objekte.  Kürzlich hat sich Autodesk mit Epic Games, dem Entwickler von so bekannten Onlinespielen wie Fortnite, zusammengetan, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit in den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Maschinenbau in Echtzeit zu schaffen. Der CEO von Autodesk hat explizit gesagt, dass er die Kompetenz der besten Metaversum-Entwickler nutzen will, um sie zu ergänzen und damit die Entwicklung eines „Industrie-Metaversums“ voranzutreiben.3 Geteilt wird diese Vision von Unternehmen wie Cadence Design Systems, das Softwarelösungen für Design und Simulation integrierter Schaltkreise und Chipdesign anbietet. Dessen Investitionen in Maschinenlernen und Künstliche Intelligenz (KI) haben die Entwicklung beispielsweise von Tensilica ermöglicht, einem digitalen Signalprozessor (DSP). Dabei handelt es sich um einen speziellen Mikroprozessorchip, der ein besseres intelligentes KI-Design komplexer Produkte ermöglicht – in Echtzeit. Eine weitere Entwicklung von Cadence ist Cerberus, ein intelligentes und lernendes System, das mithilfe von KI und Automatisierung auch komplexe Chips designen kann. Ebenso wie Autodesk hat Cadence das Potenzial digitaler Zwillinge erkannt und ein eigenes System der Computational Fluid Dynamics  (numerischen Strömungsmechanik) entwickelt, das für Aerodynamik, Strömungen oder Akustik genutzt werden kann.

Gute Wachstumsaussichten

Eine der spannendsten Entwicklungen im Zuge des Entstehens virtueller Anwendungen ist die Zukunft der Gesundheitsversorgung, insbesondere neue Möglichkeiten zur Anwendung und Nutzung von Therapien und Ressourcen weltweit – sicher, effizient und mit wenig Zeitverzögerung. Der Gesundheitssektor war lange die wichtigste Quelle für Innovationen und Forschung, könnte aber durch die physischen Beschränkungen der Logistik, des Angebots und der Kapazitäten an Grenzen stossen. Durch die Entwicklung des Metaversums sind viele Chancen im Bereich virtuelle Gesundheitsversorgung entstanden, zumal einige medizinische Behandlungen mithilfe einer immersiven virtuellen Realität erfolgen können. Das klingt unglaublich, ist aber eine einfache und logische Fortsetzung der immer schnelleren Verschiebung hin zur virtuellen Gesundheitsversorgung. Ein Beispiel sind Arztgespräche per Video. Das digitale Gesundheitsunternehmen Livi ist durch seine Zusammenarbeit mit dem UK National Health Service bekannt geworden und hat bereits für über drei Millionen Patienten virtuelle Arztbesuche ermöglicht.4 Das Gesundheits-Metaversum scheint sein nächstes Level zu erreichen und bald Behandlungen in der virtuellen Realität zu bieten. Dieser Markt könnte von 2024 bis 2030 auf bis zu 5,4 Milliarden US-Dollar wachsen, angetrieben vor allem von den USA.5 Penumbra ist ein US-amerikanischer Medizingerätehersteller. 2017 entwickelte er zusammen mit Sixense Enterprises, das auf Hardware und Software für die virtuelle Realität spezialisiert ist, das System REAL.6 Bei diesem bahnbrechenden Projekt kamen technische Entwickler und Krankenhausmediziner mit all ihrer Kompetenz zusammen, um ein virtuelles Rehabilitationsprogramm für Patienten mit besonderen therapeutischen Anforderungen und zahlreiche Erkrankungen zu konzeptionieren, das allein in den USA über 50 Millionen Patienten nutzen können.4 2022 schrieb Penumbra in einer Presseerklärung, es habe „… die Hardware- und Sensortechnologie weiterentwickelt, um sie für noch mehr Rehapatienten anwendbar zu machen.  Die erweiterten Inhalte umfassen Aktivitäten in den Bereichen motorische Fähigkeiten, Wahrnehmung, Körperhaltung und Gleichgewicht, Funktionsstörungen und Aktivitäten des täglichen Lebens (ADLs), Sehvermögen und Wohlbefinden.“ Dassault Systèmes ist weiterer Anbieter von 3D-Software für Design und Simulation, der Visualisierung und digitale Zwillinge einsetzt. Wie wichtig er für die Zukunft des Gesundheitswesens ist, zeigt das Living Heart Project in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA). Mit ihm sollen Ärzte und Chirurgen dank fortschrittlicher Simulationstechnologien die Patientenversorgung und -sicherheit verbessern können. Dazu werden medizinische Behandlungen getestet und geübt, bevor sie am Patienten durchgeführt werden.8 Das Interesse an diesem sicheren und innovativen Ansatz für die Ausbildung von Chirurgen wächst weltweit rasant. Im August 2022 begann der britische NHS Guy’s and St Thomas’ Trust, junge Chirurgen in virtuellen Hörsälen und OPs auszubilden. Der beratende Facharzt für Chirurgie Adil Ajuied hat es folgendermassen formuliert: „Die virtuelle Realität ist nicht nur interessant für Onlinespieler. Diese Art der chirurgischen Ausbildung ist mit einem Flugsimulator zu vergleichen, in dem Piloten am Boden das Fliegen lernen, bevor sie das erste Mal ein Passagierflugzeug steuern. Der Vorteil für unsere Patienten besteht darin, dass sie von Chirurgen operiert und behandelt werden, die ihre OPs im Vorfeld wiederholt geübt und durchgespielt haben.“9

Natürlich kann nicht nur die physische Medizin von den Möglichkeiten des Metaversums profitieren. Nicht nur in Grossbritannien ist die Nachfrage nach Fachkräften für Psychiatrie grösser als das Angebot. In England allein warten mindestens 1,5 Millionen Menschen auf einen Termin.10 Renommierte wissenschaftliche Einrichtungen wie die Oxford University erforschen den Zugang und die Nutzung der Grösse des Metaversums, um die Anforderungen von Patienten, die psychische Hilfe benötigen, zu erfüllen und ihr Leben zu verbessern. Zurzeit laufen zahlreiche Projekte zur Förderung des Einsatzes von immersiver virtueller Realität, um Patienten zu helfen, die beispielsweise unter Angstzuständen, Depression, mangelndem Selbstvertrauen, Schlafstörungen oder Psychosen leiden. Die von führenden Wohltätigkeitsorganisationen aus dem Bereich Gesundheit wie dem Wellcome Trust bereitgestellten Mittel sind ein Signal dafür, dass es sich hierbei um immer häufiger genutzte, wachsende und glaubwürdige alternative psychische Gesundheitsleistungen handelt.11

 

Das Ganze sehen

Die Chancen im Zusammenhang mit dem „Industrie-Metaversum“ sind so vielfältig wie zahlreich. In einigen Branchen wie Telekommunikation, Design, Fertigung und Gesundheit zeichnen sich bereits klare Trends ab. Auch etablierte Designunternehmen wie Adobe sind beteiligt.  Seine Fortschritte bei der Erstellung von 3D-Objekten und im Bereich erweiterte/virtuelle Realität helfen, die immersive Erfahrung der Endverbraucher an vielen Märkten zu verbessern.  Alles in allem brauchen Interkonnektivität und Hochtechnologie dieser Grössenordnung unter anderem eine starke Infrastruktur, damit sich das Metaversum weiterentwickeln kann. Im nächsten und letzten Teil unserer Reihe „Metaversum-Akademie“ befassen wir uns mit diesen manchmal übersehenen – aber entscheidenden – „Helden des Metaversums“.

Die gezeigten Unternehmen dienen nur zur Illustration. Stand 19. Oktober 2022. Dieses Dokument ist kein Investmentresearch und keine Finanzanalyse im Zusammenhang mit Transaktionen von Finanzinstrumenten. Es ist auch kein Angebot, irgendeine Anlage oder ein Produkt zu kaufen oder eine Leistung in Anspruch zu nehmen. Auch darf es nicht als Aufforderung oder Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung, als Empfehlung für eine Anlagestrategie oder als individuelle Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren betrachtet werden.

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