Artenvielfalt und die Netto-Null: Hat die Energiewende ein reines Gewissen?
Um die Zukunft unseres Planeten, der Gesellschaft und der Wirtschaft zu sichern, setzt man immer mehr auf nachhaltigen Strom. Windkraft, Solarenergie und Biokraftstoffe sind wichtige erneuerbare Energiequellen, die noch dazu viele Länder unabhängiger von Energieimporten machen. Bislang waren sie zur Sicherung der Energieversorgung auf die Einfuhr fossiler Brennstoffe über Pipelines und Handelsverträge mit anderen Ländern angewiesen.
Zweifellos trägt der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien dazu bei, die so wichtige Netto-Null und andere Klimaziele zu erreichen. Man darf aber nicht übersehen, dass der Klimanotstand untrennbar mit dem Verlust an Artenvielfalt verbunden ist. Der Schutz von Natur und Tierwelt ist eines der zentralen Themen bei Investitionen in die biologische Vielfalt. Die Bedeutung des Naturkapitals, auch für die Wirtschaft, wird immer klarer erkannt.
Für einen besseren Naturschutz als wichtiges Element der Energiewende tritt The Nature Conservancy ein. Einzelheiten dazu finden sich in ihren Power of Place Principles.
Wie die jüngsten Entwicklungen in den USA zeigen, sind aber auch Regulierungen und Anreize wichtig, damit die Artenvielfalt nicht für den Ausbau erneuerbarer Energien geopfert wird. Der umfangreiche Inflation Reduction Act aus dem Jahr 2022 sieht zahlreiche Fördermassnahmen für Haushalte und Unternehmen vor, um die Energiewende voranzubringen. Die sogenannten Energy Communities, frühere Bergbaukommunen, sollen umfangreiche Steueranreize erhalten, wenn sie bei der Umwandlung von Bergwerks- und Kraftwerksstandorten in Standorte für erneuerbare Energien so wenig zusätzliches Land wie möglich in Anspruch nehmen.
Auch für Solarpanels auf amerikanischen Wohnhäusern spielen finanzielle Anreize eine wichtige Rolle. Schon 2021 wurden 34% mehr Solarpanels installiert als im Vorjahr. Der Inflation Reduction Act sieht eine 30-prozentige Steuergutschrift vor, um die Anfangsinvestitionen erschwinglicher zu machen. Schon jetzt sieht man, dass immer mehr Verbraucher auf den Energiepreisanstieg infolge von Lieferstörungen und weltpolitischen Spannungen reagieren.
Die Begeisterung für den Ausbau erneuerbarer Energien ist lobenswert und keinesfalls selbstverständlich. Wichtig ist aber eine ganzheitliche Perspektive, die die langfristigen Interessen aller Stakeholder berücksichtigt.
Nach der Studie der Nature Conservancy gibt es kein Allheilmittel für derart komplexe und einzigartige Herausforderungen. Investoren müssen alle Risiken und Chancen sorgfältig prüfen, sodass sie mit ihren Anlagen maximale Wirkung erzielen können – bei der Förderung der Energiewende sowie dem Schutz und der Wiederherstellung der Artenvielfalt. Nur dann können wir uns sicher sein, dass verantwortungsvolle Finanzanlagen unseren Kunden und unserem Planeten gleichermassen nutzen.
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