Investment Institute
Weltwirtschaft

Stockholm-Syndrom

  • 06 März 2023 (5 Minuten Lesezeit)

  • Die Inflationsdaten für den Februar geben den Falken in der EZB recht. Aber wir sorgen uns um die Transmission. Die Januarzahlen zur Kreditvergabe waren verheerend.
  • Dazu werfen wir einen Blick auf Schweden und Grossbritannien, die als Warnsignal dienen können.

Die Euroraum-Inflation im Februar unterstützt die Entscheidung des EZB-Rates, für den 16. März eine weitere Anhebung um 50 Basispunkte zu signalisieren.  Die Konjunktur hat nachgelassen, aber die erwarteten Preisrückgänge sind noch nicht eingetreten. Wir gehen aber nach wie vor davon aus, dass die straffere Geldpolitik allmählich auf die Realwirtschaft durchschlägt, selbst wenn die Gesamtnachfrage noch nicht sichtbar zurückgegangen ist. Nach den Daten im Januar ist die Kreditvergabe deutlich rückläufig. In der Vergangenheit war sie – mit einem Quartal Verzögerung – recht eng mit dem BIP-Wachstum korreliert. Das dürfte auch diesmal so sein, selbst wenn man berücksichtigt, dass die Basiseffekte der Pandemie das Bild möglicherweise verzerren und es aufgrund der reichlich vorhandenen Liquiditätsreserven etwas länger dauern könnte, bis die geldpolitischen Entscheidungen in den Unternehmen und bei den Konsumenten ankommen.

Brüche zeigen sich in der Regel zuerst in den besonders zinssensitiven Sektoren einer Volkswirtschaft.  Hier sind die jüngsten Entwicklungen in Schweden interessant. Weil dort die meisten Hypotheken variabel verzinslich sind und die Lage am Wohnimmobilienmarkt vor der Straffung der Geldpolitik sehr angespannt war, sollte die Transmission sehr schnell vonstattengehen.  Das schwedische BIP ist im 4. Quartal 2022 erheblich um 0,9% geschrumpft, und die Hauspreise brachen ein. Die Riksbank steckt in einer Zwickmühle. Wenn sie die Zinsen nicht weiter anhebt, riskiert sie eine Währungsabwertung und damit eine importierte Inflation. Vermutlich bleibt ihr dann keine Wahl, als eine tiefe Rezession und die damit verbundenen Risiken für die Finanzstabilität zu tolerieren. Als Nächstes wird vielleicht in Grossbritannien das Unvermeidliche geschehen. Die jüngsten britischen Daten sind zwar nicht so schlecht wie die schwedischen, aber die Korrektur der Wohnimmobilienpreise hat bereits eingesetzt.

Der geldpolitische Rat der EZB mag versucht sein, die Zinsen nach dem März weiter kräftig zu erhöhen, aber aus unserer Sicht steigt auch das Risiko eines „Double Dip“.  Aus strukturellen Gründen (konservativere Kreditvergabe und feste Hypothekenzinsen in vielen Euroraum-Mitgliedstaaten) mag die Transmission in der Währungsunion langsamer erfolgen als in Grossbritannien oder Schweden, aber das heisst nicht, dass ihre Auswirkungen weniger stark sein werden. 

Ähnliche Artikel

Weltwirtschaft

US-High-Yield: Was 2024 in verschiedenen Konjunkturszenarien wichtig ist

  • von AXA Investment Managers
  • 21 Februar 2024 (5 Minuten Lesezeit)
Weltwirtschaft

Lästige Daten

  • von Gilles Moëc
  • 19 Februar 2024 (10 Minuten Lesezeit)
Weltwirtschaft

USA: Sowohl Aktien- als auch Anleihen-ETFs haben 2024 Potenzial

  • von David Page
  • 09 Februar 2024 (5 Minuten Lesezeit)

    Rechtliche Hinweise

    Die Informationen dieser Internetseite richten sich an Anleger mit Sitz in der Schweiz.

    Für die unberechtigte Nutzung der Internetseite übernimmt AXA Investment Managers Schweiz AG (AXA IM) keine Haftung.

    Diese Webseite dient ausschliesslich Werbe- und Informationszwecken. Die publizierten Informationen und Meinungsäusserungen werden ausschliesslich zum persönlichen Gebrauch bereitgestellt. Die in diesem Dokument von AXA IM zur Verfügung gestellten Informationen, Daten, Zahlen, Meinungen, Aussagen, Analysen, Prognose- und Simulationsdarstellungen, Konzepte sowie sonstigen Angaben beruhen auf unserem Sach- und Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung und können jederzeit und ohne vorherige Ankündigung geändert werden.

    AXA Investment Managers Schweiz AG übernimmt keine Gewährleistung (weder ausdrücklich noch stillschweigend) für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der publizierten Informationen und Meinungsäusserungen. AXA Investment Managers Schweiz AG ist insbesondere nicht verpflichtet, nicht mehr aktuelle Informationen zu entfernen bzw. diese ausdrücklich als solche zu kennzeichnen. Soweit die in diesem Dokument enthaltenen Daten von Dritten stammen, übernimmt AXA IM für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Angemessenheit dieser Daten keine Gewähr, auch wenn nur solche Daten verwendet werden, die als zuverlässig erachtet werden.

    Die Angaben auf der Internetseite der AXA Investment Managers Schweiz AG stellen weder Entscheidungshilfen für wirtschaftliche, rechtliche, steuerliche oder andere Beratungsfragen dar, noch dürfen allein aufgrund dieser Angaben Anlage- oder sonstige Entscheidungen gefällt werden.  Vor jeder Investitionsentscheidung sollte eine ausführliche und an der Kundensituation ausgerichtete Beratung erfolgen.

    Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr und ist kein Indikator für zukünftige Anlageergebnisse und/oder die zukünftige Wertentwicklung oder Rendite einer Anlage. Wert und Rendite einer Anlage können steigen oder fallen und werden nicht garantiert.

    AXA Investment Managers Schweiz AG