Take Two: UN senkt globale Wachstumsprognose, Euroraum-Inflation steigt
Alles Wichtige auf einen Blick
Vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts im Nahen Osten haben die Vereinten Nationen ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt und ihre Inflationserwartungen angehoben. Für 2026 wird jetzt mit einem Welt-BIP-Wachstum von nur noch 2,5% (anstatt der im Januar veranschlagten 2,7%) und für 2027 mit 2,8% gerechnet. Zudem passte die UN ihren globalen Inflationsausblick für 2026 auf 3,9% an. Das sind 0,8 Prozentpunkte mehr als in der Januarprognose. Die UN-Ökonomen merkten an, dass Investitionen mit KI-Bezug, ein robuster privater Konsum und ein solider Arbeitsmarkt in bestimmten Volkswirtschaften eine gewisse Unterstützung bieten könnten. Allerdings würden die Auswirkungen der Krise voraussichtlich ungleich verteilt sein, wobei Westasien die grössten Wachstumseinbussen erleiden dürfte.
Nachrichten aus aller Welt
Bedingt durch den Energiepreisanstieg infolge des knappen Angebots aus dem Nahen Osten ist die Euroraum-Inflation von 2,6% im März auf 3% im April gestiegen, ihren höchsten Stand seit September 2023. Die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligeren Energie-, Lebensmittel-, Alkohol- und Tabakpreise unberücksichtigt bleiben, hat sich dagegen von 2,3% p.a. im März auf jetzt 2,2% abgekühlt. In den USA ist dem Protokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses zu entnehmen, dass die Notenbanker Leitzinsanhebungen für erforderlich halten könnten, falls die Inflation dauerhaft auf einem hohen Niveau bleibt. Unterdessen wuchs Japans Wirtschaft im 1. Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 2,1% und damit stärker als im 4. Quartal (1,3%). Die Inflation ging von 1,5% im März auf 1,4% im April zurück.
Zahl im Fokus: 30%
Der Internationalen Energieagentur zufolge dürfte es sich bei rund 30% aller in diesem Jahr weltweit verkauften Autos um Elektrofahrzeuge handeln. Im letzten Jahr waren es nur rund 25% gewesen. Demnach wird geschätzt, dass sich die Anzahl der verkauften E-Autos 2026 auf 23 Millionen erhöhen wird – nach 20 Millionen im Vorjahr, wobei 60% aller weltweit abgesetzten Elektroautos von chinesischen Herstellern produziert werden. Die Besorgnis wegen hoher Kraftstoffpreise sowie der Preisrückgang bei Batterien dürften laut der IEA für zusätzliche Dynamik sorgen. Bis 2035 wird die weltweite Elektroflotte (ohne Zwei- und Dreiräder) Prognosen zufolge auf 510 Millionen Fahrzeuge steigen. Zurzeit sind es knapp 80 Millionen.
Grafik der Woche
In den meisten Sektoren, vor allem aber bei Technologie sind die USA Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) Spitzenreiter. Dies spiegelt sich in einer innovationsgetriebenen Wirtschaft wider, die zudem von aktiven Risikokapitalmärkten, einer weltweit führenden wissenschaftlichen Forschung und der Weltmarktführerschaft von Technologie- und Pharmaunternehmen begleitet wird. Aufgrund des erheblichen Gefälles zwischen US-Investitionen in F&E und denen anderer wichtiger Volkswirtschaften – wie China, Japan und Deutschland – können sich US-Firmen weiterhin an der Spitze der technologischen Entwicklungen behaupten und zum Wirtschaftswachstum beitragen. Insbesondere wird davon ausgegangen, dass einige der grössten Akteure des US-Technologiesektors wie Amazon, Alphabet, Microsoft, Oracle, Meta und CoreWeave 2026 nahezu 800 Milliarden US-Dollar investieren werden, vor allem in den Ausbau ihrer Infrastruktur für generative KI – eine Zahl, die ausgehend von den Prognosen dieser Unternehmen 2027 auf 1,1 Billionen Dollar steigen könnte.
Wissenswert
CO2-Preis: Ein CO2-Preis zielt darauf ab, die Treibhausgasemissionen zu senken, indem der Ausstoss von Emissionen mit einer Gebühr belegt wird und/oder Anreize für ihre Reduzierung geschaffen werden. Dieser Ansatz kann Unternehmen zum Umstieg auf klimafreundlichere Praktiken motivieren, da die Kosten klimaschädlicher Verfahren internalisiert und die finanzielle Belastung durch klimawandelbedingte Schäden somit von der Allgemeinheit auf die Emissionsverursacher verlagert wird. Die Bepreisung von CO2 kann verschiedene Formen annehmen wie etwa Emissionshandelssysteme und CO2-Steuern. Einem Bericht der Weltbankgruppe zufolge unterliegen mittlerweile fast 30% der weltweiten Treibhausgasemissionen der CO2-Bepreisung. 2025 hat dies öffentlichen Haushalten über 107 Milliarden US-Dollar eingebracht.
Das bringt die Woche
Am Mittwoch gibt Australien Inflationsdaten heraus. Am Donnerstag veröffentlicht der Euroraum seine jüngsten Zahlen zum Wirtschaftsklima und zur Stimmung in der Industrie. Ebenfalls am Donnerstag legen die USA eine zweite Schätzung für ihr BIP-Wachstum im 1. Quartal vor. Der vorherigen Prognose zufolge könnte die grösste Volkswirtschaft der Welt um 2% zugelegt haben. Am Freitag schliesslich stellt Japan seine neuesten Arbeitsmarktdaten sowie Zahlen zur Industrieproduktion vor, und Kanada berichtet über sein BIP-Wachstum im 1. Quartal.
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