Verpassen Sie nicht das zweite Einstiegszeitfenster bei Anleihen

  • 16 März 2023 (5 Minuten Lesezeit)

Im Überblick:

  • Investoren, die den Zug Anfang des Jahres verpasst haben, bekommen dank der aktuellen Marktentwicklung eine zweite Chance, sich höhere Renditen zu sichern.
  • Wir nennen Segmente des Anleihenmarktes, die man in Betracht ziehen könnte.
  • Alles in allem bieten die Anleihenmärkte aus unserer Sicht zurzeit interessante Chancen auf attraktive Erträge und Risikominderung.

Anfang des Jahres waren Kommentare dazu, dass Anleihen wieder attraktiv sind, keine Seltenheit. Über weite Strecken der letzten zehn Jahre haben anhaltend niedrige Renditen Investoren zu Umschichtungen in risikoreichere Papiere veranlasst. Anleihen waren kaum noch in der Lage, ihre Aufgabe als Quelle verlässlicher Erträge oder Absicherung risikoreicherer Assetklassen bei schwachen Wachstumsaussichten zu erfüllen.  Das alles änderte sich nach dem allgemeinen Ausverkauf von Festzinspapieren im Jahr 2022, nach dem Renditen und Bewertungen Anfang 2023 wieder sehr interessant wurden.

Wenig überraschend haben sich viele Investoren in den ersten Wochen des Jahres mit Anleihen eingedeckt, sodass die Renditen im Laufe des Januars erheblich zurückgegangen sind und einige sich fragten, ob sie den Zug ins „Anleihenjahr“ verpasst haben. Mittlerweile sind die Renditen wieder auf ihre Niveaus vom Jahresanfang zurückgegangen und bieten eine zweite Chance, zu viel niedrigeren Kursen zu investieren.

Angesichts der sich verbessernden Konjunkturdaten geht die Inflation allmählich zurück, aber nicht so stark wie es sich Geld- und Fiskalpolitik gewünscht hätten. In den letzten Wochen sind die Marktteilnehmer wieder vorsichtiger geworden. Investoren wägen die Möglichkeit einer verzögerten Rezession später in diesem Jahr und die bis dahin anhaltend höheren Zinsen ab.

Das Anleihenteam von AXA IM rechnet mit weiterhin volatilen Märkten, aber wir sind auch der Ansicht, dass der schlimmste Ausverkauf bereits hinter uns liegt. Wir sind der Meinung, dass sich die Anleihenaussichten für die nächsten Monate verbessert haben. Die Assetklasse dürfte jetzt wieder eher für Stabilität und Diversifikation sorgen können – und das bei günstigeren Einstiegskursen. Entscheidend ist, dass man den gesamten Markt für Festzinspapiere betrachtet, um interessante Chancen für ein solch unsicheres Umfeld zu finden, wie es zurzeit zu beobachten ist.

Investmentgrade-Anleihen bieten nur Vorteile

Da die Aussichten für Konjunktur, Inflation sowie Geld- und Fiskalpolitik nach wie vor unsicher sind, bevorzugen wir Anleihen mit höherer Kreditqualität wie Investmentgrade-Anleihen aus den USA und dem Euroraum. Zurzeit halten wir Investmentgrade-Anleihen für günstig bewertet. Hinzu kommt ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Marktunsicherheit, die darauf zurückzuführen ist, dass ihre Erträge aus zwei Quellen stammen: Zinsen und Spreads.

Aus unserer Sicht dürften auch ihre Fundamentaldaten gut bleiben, weil die Unternehmen nach den günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten der letzten Jahre mit soliden Bilanzen überzeugen und über viel Liquidität verfügen. Deshalb dürften sich ihre Spreads auch bei einer Rezession nicht zu stark ausweiten. In einem wechselvollen Marktumfeld könnte ein benchmarkfreier flexibler Ansatz, der einen möglichst hohen Gesamtertrag anstrebt, besonders interessant sein.

US- und Euro-Unternehmensanleihen sind noch immer günstig bewertet

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Quellen: AXA IM, Bloomberg, Stand 28. Februar 2023.

Die Inflationsstory geht weiter

Die Gesamtinflation ist zwar gefallen, aber die Kerninflation bleibt hartnäckig hoch. Wir gehen davon aus, dass sie nur langsam zurückgehen wird. Was kurzfristig geschieht, ist in höchstem Masse unklar und bleibt für Investoren problematisch. In diesem Umfeld sollte man vielleicht keine harte Entscheidung zwischen Linkern und nominalen Anleihen treffen, sondern eine Strategie in Betracht ziehen, die flexibel zwischen diesen beiden Anleihenarten umschichten kann.

Ausgewählte Chancen mit High Yield

High Yield aus den USA, Europa und Asien haben seit Jahresanfang bereits attraktive Erträge erzielt, aber durch die ausgeprägte Marktschwäche im Februar besteht jetzt erneut die Chance, zu niedrigen Bewertungen in Hochzinsanleihen zu investieren, die Investoren aus unserer Sicht für ihre höheren Risiken mehr als entschädigen. Die derzeit hohen Spreads von High Yield signalisieren unserer Meinung nach eine zu hohe Ausfallquote. Zurzeit liegt sie noch immer unter ihrem langfristigen Durchschnitt und dürfte nach unseren Analysen recht niedrig bleiben, weil die Fundamentaldaten gut sind.

Ausfallquoten von US-High-Yield unter ihrem langfristigen Durchschnitt

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Quelle: J.P. Morgan, Default Monitor, 1. März 2023. * Langfristige Ausfallquoten von High Yield seit 1997 und Leveraged Loans seit 1998. Diese Analysen sind subjektiv, sodass die tatsächliche Entwicklung gesamtwirtschaftlicher Kennzahlen und der Marktwerte stark von den in diesem Artikel beschriebenen Erwartungen abweichen kann.

Aber in einem unsicheren Umfeld sind aktives Management und eine sorgfältige Einzelwertauswahl unabdingbar, wenn man vom Renditevorteil profitieren will, ohne zu hohe Risiken einzugehen. Dasselbe gilt auch für Emerging-Market-Anleihen, die mit ihren sehr hohen Renditen einige ausgesprochen interessante Chancen bieten, aber auch hier kommt es auf sorgfältige Auswahl und eine genaue Abwägung zwischen Ertrag und Risiko an.

Kurzläufer bieten taktische Chancen

Für vorsichtigere Investoren könnten Kurzläuferansätze eine gute Absicherung gegen volatile Zinsen bieten. Kurzläufer können überdurchschnittliche risikobereinigte Erträge erzielen und bieten zurzeit interessante Zinsaufschläge mit vermindertem Durationsrisiko.  Mit Ansätzen für Anleihen mit kurzer Laufzeit lassen sich alle oben genannten Chancen nutzen – über Kurzläuferstrategien für Investmentgrade-Anleihen, High Yield oder Linker.

Alles in allem sind wir der Ansicht, dass die Märkte für Festzinspapiere zurzeit einige diversifizierte Chancen bieten und Portfolios etwas stabiler machen können, wenn die Märkte unsicher sind, was unserer Meinung nach bis zum Ende dieses Jahres der Fall sein wird.

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