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Die Sicht des Chefvolkswirts

Falken halten keinen Winterschlaf

  • 19 Dezember 2022 (7 Minuten Lesezeit)

  • Die Fed hat sich noch klarer ausgedrückt als bisher, aber die Märkte rechnen weiter mit Zinssenkungen im nächsten Jahr.
  • Die restriktivere Rhetorik der EZB hat die Märkte verblüfft, die Rezessionsrisiken in Europa steigen lassen und wirft Fragen auf, ob es zu einer Zersplitterung kommen wird.

Wir wünschen unseren Lesern schöne Feiertage. Auch unser Macrocast macht Pause. Die nächste Ausgabe erscheint am 9. Januar 2023.


In puncto Geldpolitik war die letzte Woche vor der Weihnachtspause von Macrocast sehr ereignisreich, aber das passt ganz gut zu unseren Prognosen für 2023. Wir rechnen damit, dass das kommende Jahr spiegelbildlich zu 2022 verlaufen wird. Hinter uns liegen Monate mit einer immer schnelleren, breiteren und hartnäckigen Inflation, die der Realwirtschaft aber erstaunlich wenig geschadet hat. Für 2023 rechnen wir mit einem starken Inflationsrückgang, der aber mit Rezessionen einhergehen dürfte, vor allem, weil die Zentralbanken dies- und jenseits des Atlantiks keine Versuche unternehmen, den Wachstumsrückgang aufzuhalten. Vielmehr sind sie bereit, den schmerzhaften, aber notwendigen Weg einer gesteuerten Rezession zu gehen, um die Inflation wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Sicher geht die Fed auch in ihren jüngsten Prognosen davon aus, dass es 2023 „im schlimmsten Fall“ zu einer sehr leichten Rezession kommen kann, aber wie von uns erwartet, spricht der neue durchschnittliche Endzins dafür, dass der Offenmarktausschuss zu einer sehr restriktiven Politik bereit ist und die Zinsen lange auf einem hohen Niveau belassen wird, um die Inflation zu zügeln. Aber die meisten Investoren stellen sich weiter taub. Gemessen an den Forwards rechnen sie nach wie vor mit Zinssenkungen von insgesamt gut 50 Basispunkten in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres.  Auch wir sehen allmählich einige greifbare Anzeichen für eine Disinflation in den USA, aber dennoch könnten den Märkten 2023 einige Enttäuschungen bevorstehen.

Unterdessen feierte die EZB geradezu eine Falkenparty. Wir erwarten jetzt einen Endzins von mindestens 3,25%, also eine klar restriktive Geldpolitik. Es ist verlockend, die Äusserungen der EZB letzte Woche als Anpassung an das Vorgehen der Fed am Vortag zu betrachten – mit dem Ziel, eine Euro-Abwertung zu vermeiden, die die Disinflation in Europa bremsen würde.  Das ist zwar verständlich, trägt aber zu dem von Maurice Obstfeld vor einigen Monaten beklagten „Wettlauf an die Spitze“ bei, der letztlich zu einer übermässigen Straffung der Geldpolitik in der Weltwirtschaft führen kann.  Und nebenbei bemerkt, verschärft diese noch restriktivere Politik nicht nur die bereits bestehenden Herausforderungen für die europäische Wirtschaft. Mit ihr riskiert die EZB zudem noch eine Zersplitterung des Euroraums. Zumindest hat sich die EZB noch die Möglichkeit offengelassen, im Juni ihr Quantitative Tightening anzupassen.  Das ist weise, reicht aber vielleicht nicht aus.  

Falken halten keinen Winterschlaf
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